Weibliche Genitalgesundheit

female_genital.jpgIn der Regel sitzen wir 12-16 Stunden am Tag. Eine Durchschnittsfrau verbringt den Tag meist im Sitzen oder ist unterwegs zur nächsten Sitzmöglichkeit. Kleine Pausen entstehen durch Aktivitäten, die im Stehen durchgeführt werden und durchdie Zeit, die für körperliche Übungen aufgewandt wird. Die größte Ausnahme sind Mütter mit kleinen Kindern.

Das Sitzen auf herkömmlichen Stühlen stellt eine große Gefahr für die weibliche Genitalgesundheit dar. Die Probleme tauchen innerhalb, aber auch außerhalb des Beckenbereiches auf. Der Sitzdruck blockiert die druckempfindliche Mikro- und Makrozirkulation in Blut- und Lymphgefäßen sowie in den Lymphknoten. Zirkulation ist der grundlegende Faktor für Stoffwechsel und Gesundheit. In 1 kg Weichgewebe, wie z.B. Muskeln, Haut und Fett, befinden sich etwa 7.000 km Gefäße. Zirkulation wird über Bewegung und geringfügige Änderungen in der Druckbelastung generiert.

Sitzen hat Auswirkungen auf die folgenden internen Hauptbeckenorgane: Eierstöcke, Gebärmutter, Vagina, Rektum, Harnröhre und Blase. All diese befinden sich nur wenige Zentimeter unter der Haut, im Beckenboden. Sitzdruck wirkt sich ebenso negativ auf das Gewebe der Vulva aus.

Die folgenden Gesundheitsprobleme gehen mit dem Sitzen einher:

  1.  Zirkulationsstörungen in der Beckengegend (Krampfadern, usw.). Durch das Stuhlpolster wird ein Druck im Beckenbereich aufgebaut, da darüber die Weichteile (Haut, Fett, Muskeln und Bindegewebe) in den Bereich zwischen den Sitzbeinhöckern gepresst werden. Dieser Druck wird nach Innen weitergeleitet und beeinflusst alle internen Beckenorgane.
  2. Krebs. 24 % aller Krebsarten bei Frauen und 49 % bei Männern entstehen im Beckengebiet in einem Bereich dessen Kapazität knapp über einem Liter liegt. Schlechte Zirkulation und Druck stören den Stoffwechsel und führen zu einer Übersäuerung des Gewebes, was bekanntlich das Krebsrisiko erhöht.
  3. Entzündungen in der Vagina, Blase und Gebärmutter. Die Temperatur und Feuchtigkeit im Bereich der Vulva wird durch das Sitzpolster erhöht, was es Krankheitserregern leicht macht, sich auszubreiten. Mangelnde Durchblutung verlangsamt zusätzlich den Zugriff weißer Blutkörperchen (und anderer Abwehrstoffe) auf diesen Bereich, die die Krankheitserreger, die durch die Haut gelangt sind, zerstören. Auf diese Weise erhält die Entzündung einen Vorsprung, bevor das Immunsystem überhaupt eingreifen kann. Auf diese Diagnose kommen oft Antibiotika zum Einsatz.
  4. Probleme mit Beckenbodenmuskulatur und Rektum. Beim Sitzen auf herkömmlichen Stühlen ist die Körperhaltung meistens sehr schlecht. Das Gewicht des Oberkörpers erhöht den Druck auf die Magenhöhle, was wiederum die größte Gefahr aus gynäkologischer Sicht darstellt, da dort alle internen Beckenorgane dauerhaft nach unten rutschen. Der Sitzdruck durch das Stuhlpolster stört die normale Funktion des Rektums, da die gesamte Beckenbodenmuskulatur, inklusive Anus, nach oben gedrückt werden und das Rektum genau im Druckfeld liegt.
  5. Fehlfunktionen des Nervus Pudendus und Gefäßstörungen. Diese Probleme treten am häufigsten bei Frauen auf, die viel auf Fahrrad- oder Pferdesatteln oder auf ungeteilten Sattelstühlen sitzen. Diese Situation ist noch verheerender, wenn bei der Arbeit ein Lehnen nach vorne erforderlich ist, wie z.B. im Zahnarztberuf oder im Labor. In diesem Fall kann fast schon von einer Veränderungen im Kreislaufsystem und einer geschwächten Nervenempfindsamkeit ausgegangen werden.

Höchstwahrscheinlich profitiert auch die Endometriose von den Bedingungen, die bei langzeitigem Sitzen gegeben sind. Aufgrund der gestörten Durchblutung in diesem Bereich sind alle örtlichen Abwehrkräfte geschwächt.

Wie Sitzstörungen im Beckenbereich vermieden werden können

Das Wichtigste ist, so gut wie möglich eine ungestörte Durchblutung zu gewährleisten. Ebenso ist es essenziell, für ausreichende Belüftung und einen möglichst guten Stoffwechsel zu sorgen. Die folgenden Maßnahmen können an dieser Stelle sehr nützlich und hilfreich sein:

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    Verwenden eines geteilten Sattelstuhls mit Swingmechanismus. Mit einem solchen Stuhl können die folgenden Vorteile erzielt werden: Die Mittelspalte im Sitz beseitigt die Druckausübung auf den Beckenboden und die Vulva, ebenso kann der größte Teil des Druckes vom Inneren des Beckenbereiches ferngehalten werden. Der Mittelspalt sorgt desweiteren für eine gute Belüftung des Genitalbereiches, was mit einer geringeren Temperatur und Feuchtigkeit einhergeht. Der Swingmechanismus der Sitzfläche erhöht automatisch die körperliche Aktivität des Beckens und unteren Rückens, was wiederum den Kreislauf anregt. Das Sattelsitzen (mit dem für das Schambein wichtigen Mittelspalt) hilft dabei, eine gute Körperhaltung umzusetzen. Dies verringert den Druck auf die Magenhöhle ebenso wie den Druck von oben auf die Beckenorgane. Die gute Haltung und der Mittelspalt unterstützen weiterhin die normale Funktion des Rektums, tragen zu einer Verkleinerung dessen Durchmessers bei und verringern den Druck des Rektums auf Gebärmutter und Vagina.

  2. Tragen von lockerer und kühler Kleidung, die keinen Druck im Beckenbereich verursacht. Lockere Kleidung trägt zu einer normal funktionierenden Durchblutung bei und schneidet nicht im Schritt, Gesäß oder Genitalbereich ein, wie es in der heutigen Mode fast schon üblich ist. Dies spielt eine wichtige Rolle im Hinblick auf die Durchblutung der unteren Extremitäten und des unteren Magens. Strumpfhosen und Unterhosen, die rote Abdrücke auf der Haut hinterlassen sind nicht empfehlenswert. Zu enge Gürtel oder Bündchen sind ebenfalls schädlich. Auch Hosen mit einer Mittelnaht, die stark im Schritt einschneiden, wirken sich negativ auf die Durchblutung aus. Beim Kauf von Kleidung sollte immer auch getestet werden, ob die Kleidung auch im Sitzen angenehm ist. Achten Sie genau darauf, dass keinerlei Druckstellen in der normalen Sitzposition entstehen.

  3. Körperliche Aktivität. Es ist klug, zwischen längeren Sitzeinheiten immer wieder kleinere Pausen einzulegen, z.B. kann man während eines Telefonats umherlaufen (mit Bluetooth Headset) oder im Idealfall Treppen auf und ab gehen. Man (oder besser gesagt: der clevere Arbeitgeber) sollte auch für bestimmtes Sportequipment (beispielsweise Gymsticks, Flexibars, Hanteln, Kettlebells, Stretchingmatten, Stepboards, usw.) am Arbeitsplatz sorgen. Während Telefonaten oder informellen Meetings kann ein so genanntes „langsames Workout“ durchgeführt werden. Nach nur wenigen Minuten ist die Durchblutung für einen längeren Zeitraum angeregt, ohne dabei ins Schwitzen zu geraten oder Atemprobleme zu bekommen. Darüber kann einem „Abschalten“ des Körpers (und Geistes) durch mangelnde Durchblutung vorgebeugt werden.

  4. Detailliertes Anpassen des Arbeitsplatzes an die eigenen Bedürfnisse. Es ist ergonomisch vorteilhaft, den Stuhl, E-Tisch und die Monitore passend einzustellen, Ellbogenstützen zu verwenden und die Entfernung der Monitore sowie die Schriftgröße so optimal wie möglich anzupassen. Außerdem sollte die Tischhöhe angepasst werden, je nachdem ob man gerade liest oder schreibt. Ein solches erweitertes Bewusstsein und Bewegung in der Ergonomie bringt sicherlich eine Entspannung für den gesamten Oberkörper mit sich, was sich wiederum auch positiv auf den Beckenbereich auswirkt.

Die Aussagen auf der Internetseite basieren auf folgenden Quellen:
Michael Adams, Nikolai Bogduk, Kim Burton, Patricia Dolan: The Biomechanics of Back Pain
David A. Rubenstein, Wei Yin, Mary D. Frame: Biofluid Mechanics, an Introduction to Fluid Mechanics, Macrocirculation, and Microcirculation
Marcus J. Seibel, Simon P. Robins, John P. Bilezikian: Dynamics of Bone and Cartilage Metabolism, Principles and Clinical Applications