Kann ich trotz Sitzen gesund bleiben?

Es wurden viele Studien darüber veröffentlicht, wie gefährlich Sitzen für uns ist. Dabei lag der Fokus bisher allerdings stets auf der herkömmlichen Art des Sitzens (90-Grad-Winkel in Hüft- und Kniegelenken), die äußerst schädliche Prozesse in Bewegung setzt. „Sitzen tötet – Stehen rettet” ist die Nachricht, die in den Medien immer wieder wiederholt wurde, allerdings ist dies nicht die ganze Wahrheit. Im Folgenden finden Sie eine genaue und etwas umfassendereErklärung aus Expertensicht.

Gefährliches Sitzen = Herkömmliches Sitzen (90-Grad-Winkel)

Die größten Gesundheitsrisiken entstehen durch eine schlechte Blut- und Lymphzirkulation, da die Lymphflüssigkeit und das Blut durch mehr als 400.000 km Gefäßen strömt und dabei durch inneren Organe, und durch insgesamt 700 Lymphknoten fließen muss. Die Durchblutung ist die wichtigste Funktion unseres Körpers. Jegliche Störung dieser Funktion wirkt sich äußerst schädlich auf unsere Gesundheit aus.

Die Blut- und Lymphzirkulation wird beim herkömmlichen Sitzen gestört durch

  1. Muskelverspannungen im Rücken-, Nacken- und Schulterbereich
  2. den Druck, den das Gewicht des Oberkörpers auf das Gesäß und die Oberschenkel ausübt
  3. den Druck, der durch die gekrümmte Haltung auf die Bauchhöhle ausgeübt wird
  4. den Druck und die dadurch geschwächte Durchblutung in der Leistengegend und in den Weichteilen
  5. der 90 Grad-Winkel zwischen Hüfte und Knien, welches zur Folge hat, dass die Blutgefäße zusammengedrückt werden
  6. den Druck der durch zu enge Kleidung verursacht wird
  7. die flachere Atmung, die durch die gekrümmte Haltung und die Muskelverspannungen entsteht
  8. mangelnde körperliche Aktivität, Bewegung ist der „Motor” des Kreislaufs, das Herz selbst bringt nur 25% des Blutes in Umlauf

Ein gesunder Stoffwechsel benötigt entspannte Muskeln und abwechselnde Arbeitspositionen. Herkömmliches Sitzen begrenzt jegliche Art von Bewegung. Entspannte Muskeln und wiederholte Änderungen der Position, wie es im Schlaf der Fall ist, ist gut für die Durchblutung und den Stoffwechsel. Beim herkömmlichen Sitzen kann dies allerdings nicht erzielt werden.

Probleme mit dem Stehen

Stehen alleine ist jedoch auch nicht die Lösung. Menschen, die einer Arbeit im Stehen nachgehen, leider häufig unter Arthritis, schlechter Durchblutung in den Beinen und einem ermüdeten Rücken und Becken. Es ist ziemlich anstrengend und auch nicht für jeden langfristig geeignet, ausschließlich zu stehen. Stehen als Lösungsansatz wurde für einige Zeit intensiv erforscht. Die Resultate sind jedoch alle mehr oder weniger gescheitert. Zusammengefasst hat das Stehen auf jeden Fall seinen Nutzen für manche Einsatzfelder sowie für kürzere Pausen in unterschiedlichen Berufen, aber es ist definitiv keine Option, um alle Probleme, die das Sitzen mit sich bringt, zu lösen.

Alternative: Gesundes Sitzen

Die gesündeste Option ist das Sitzen auf einem zweigeteilten Sattelstuhl, in einer reitähnlichen Position (135-Grad-Winkel zwischen Hüft- und Kniegelenken) und einer guter Sitzhaltung mit nach vorne gekipptem Becken, die der stehenden Haltung nah kommt. Des Weiteren sollte der Stuhl mit leicht beweglichen Fußrollen und einem Sitz mit Swing-Mechanismus ausgestattet sein, die Höhe des Schreibtisches muss angepasst werden und die Kleidung sollte nicht zu eng anliegen. Auf diese Art und Weise kann der Sitzende in einer guten Haltung arbeiten und eine tiefe Atmung und eine gute Durchblutung werden dadurch ermöglicht. Ebenso entstehen keine Muskelverspannungen und keinerlei Druck auf die Gelenke im unteren Bereich des Körpers.

Ein Sattelsitz bringt viele wertvolle körperliche Aktivitäten mit sich durch

  1. „Sit and Swing” (absichtliches oder unbewusstes „Swingen” mit dem Stuhl)
  2. „Roll and Reach” (kann durch absichtlich etwas weiter entfernte Gegenstände unterstützt werden)
  3. „Walk and Talk” (durch regelmäßiges Aufstehen oder Umherlaufen, z.B. beim Telefonieren über ein Bluetooth-Headset; Aufstehen von einem Sattelstuhl ist äußerst 4. einfach und belastet die Gelenke nicht, wie es beim herkömmlichen Sitzen der Fall wäre)

Am besten haben Sie stets ein paar einfache Sportgeräte zur Hand, mit denen Sie kurze und leichte Kreislaufübungen durchführen können (4-6 Mal am Tag). Es gibt auch Übungen, für die keine Trainingsgeräte benötigt werden, z.B. SitUps.

Die Aussagen auf der Internetseite basieren auf folgenden Quellen:
Michael Adams, Nikolai Bogduk, Kim Burton, Patricia Dolan: The Biomechanics of Back Pain
David A. Rubenstein, Wei Yin, Mary D. Frame: Biofluid Mechanics, an Introduction to Fluid Mechanics, Macrocirculation, and Microcirculation
Marcus J. Seibel, Simon P. Robins, John P. Bilezikian: Dynamics of Bone and Cartilage Metabolism, Principles and Clinical Applications