Sitzen und die Gesundheit der Prostata

Bei jedem sechsten Mann aus der westlichen Welt wird während seines Lebens Prostatakrebs diagnostiziert. Ungefähr einer von sechs stirbt daran. Bei den meisten Männern (mehr als 90 %) kann bereits im Alter von 60 Jahren eine Vergrößerung der Prostata festgestellt werden. Eine große Anzahl der Männer nimmt Medikamente ein, die einer solchen Prostatavergrößerung vorbeugen. So gut wie alle älteren Männer haben aufgrund der gewachsenen Prostata eine langsamere Blasenentleerung. Wenn die Prostata wächst, verengt sich Harnröhre, die durch die Prostata läuft, sodass sich die Blasenentleerung verlangsamt. Männer sind diesbezüglich oft sehr beunruhigt und besorgt.

Bisher existiert noch kein überzeugender Beweis oder eine rationale Erklärung oder Theorie warum die Prostata wächst, einen solch schlechten Gesundheitszustand aufweist und so viele Männer das Leben kostet. In der Physiologie sind die Wechselwirkungen sehr komplex. Viele Faktoren bewirken unterschiedliche Effekte und die genauen Vorgänge bleiben selbst für viele bedeutende Wissenschaftler meist ein Geheimnis.

Nun gibt es eine neue vielversprechende Theorie über eine mögliche Ursache, die für eine Vergrößerung der Prostata verantwortlich sein kann: traditionelles Sitzen! Wenn man dies genauer betrachtet, ist es im Grunde genommen auch logisch. Beim Sitzen auf einem traditionellen Stuhl übt das gesamte Gewicht des Oberkörpers, welches gerade bei Männern durchaus beträchtlich sein kann, Druck auf das Becken aus. Die Zeit, die wir über den Tag verteilt mit Sitzen verbringen steigt immer mehr, genau wie das durchschnittliche Gewicht der Männer.

Daraus resultiert folgende Kettenreaktion:

  1. Beim Hinsetzen sinken die Sitzbeinhöcker des Mannes in die Polsterung, die Polsterung drückt von unten auf das weiche Gewebe (Haut, Fett, Muskeln), welches wiederum den Druck zwischen den Sitzbeinhöckern hindurch durch die Beckenöffnung in den unteren Beckenbereich weitergibt.
  2. Über diese Druckfelder in der unteren Beckengegend wird der Druck an die inneren Organe weitergeleitet, welche mehr Flüssigkeit beinhalten als der Körper im Durchschnitt (67%). Es ist bekannt, dass sich Druck in Flüssigkeiten gleichmäßig ausbreitet.
  3. Dieser erhöhte Druck verursacht Störungen und Beeinträchtigungen im normalen Stoffwechsel (es gibt einige klassische Beispiele dazu in unterschiedlichen Organen), was mit der Zeit Funktionsstörungen und Krankheiten zur Folge haben kann.

Der sinnvolle und indirekte Beleg der Theorie, dass Sitzen die Prostatakrankheit erhöht, ist Folgender:

  1. Bei Männern, die während ihrer Arbeit mehr stehen und/oder körperlicher Arbeit nachgehen, tritt Prostatakrebs zu 23 % und Kolorektalkrebs zu ungefähr 50% seltener auf als bei Männern, die beispielsweise im Büro und/oder vorwiegend im Sitzen arbeiten.
  2. 49 % aller Krebsarten, die bei Männern in Europa diagnostiziert wurden, betreffen den Bereich zwischen Kreuzbein, Schambein und Sitzbeinhöckern (die Menge beträgt ca. 1 Kubikmeter), wo sich bei Männern Prostata, Blase, Harnröhre, Darmausgang, Enddarm und ein Teil des Dickdarms befindet. Davon können wiederum 70 % in der Prostata lokalisiert werden.
  3. Männer mit einer Prostatainfektion haben beim Sitzen auf jeglichen Stühlen Schmerzen, allerdings deutlich geringere auf geteilten Sattelstühlen, bei denen der Spalt zwischen den Sitzhälften den Druck, der normalerweise auf das Becken ausgeübt wird, verhindert.
  4. Es gibt eine steigende Anzahl an Männern, deren bereits vergrößerte Prostata, mithilfe eines zweigeteilten Sattelstuhls (mit einer Spaltbreite von 40mm unter der Beckenöffnung), auf ein Level von 10-11g zusammengeschrumpft ist. Ein Freiwilliger hat von 1998 bis 2013 an einem Versuch teilgenommen. Dabei wurde die Größe der Prostata immer wieder überprüft: 11 g (1998), 18 g (2002), 16 g (2009) und 10 g (2013). Das letzte Ergebnis wurde über zwei separate Messungen gewonnen, mit der manuellen und der Doppelultraschall-Methode. Auch die Harnorgane wurden genau untersucht, lieferten allerdings keinerlei Hinweise auf eine Fehlfunktion. Die Prostata wies jedoch an einer Seite Anzeichen auf eine Überwucherung in frühem Stadium auf. Zwischen 2010 und 2013 saß die Testperson auf einem Sattelstuhl, dessen Spaltbreite größ als bei normalen Sattelstühlen war (40 mm). Desweiteren konnte eine besonders hohe Anzahl lebender Samen in den Spermien festgestellt werden (291 Millionen/mm³ Sperma). Im Jahr 2013 lag dieser Wert bei einem 19- jährigen Mann durchschnittlich lediglich bei 48 Millionen/mm³.
  5. Die Prostata liegt dicht an der Haut, unmittelbar am Rand des Schambeins. Somit ist es logisch, dass die Prostata beim Sitzen einem hohen Druck ausgesetzt ist.

Es wurden bereits einige Risikofaktoren, die den Prostatakrebs erhöhen, identifiziert oder vermutet. Das Sitzen scheint an dieser Stelle ein vielversprechender Kandidat für einen der Hauptrisikofaktoren zu sein. Solange allerdings noch keine wissenschaftliche Studie zu den Risikofaktoren von Prostatakrebs durchgeführt wurde, ist es für Männer ratsam, alle bisher bekannten Risiken zu meiden, um das Risiko dieser äußerst unangenehmen Krankheit möglichst gering zu halten.

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Die Aussagen auf der Internetseite basieren auf folgenden Quellen:
Michael Adams, Nikolai Bogduk, Kim Burton, Patricia Dolan: The Biomechanics of Back Pain
David A. Rubenstein, Wei Yin, Mary D. Frame: Biofluid Mechanics, an Introduction to Fluid Mechanics, Macrocirculation, and Microcirculation
Marcus J. Seibel, Simon P. Robins, John P. Bilezikian: Dynamics of Bone and Cartilage Metabolism, Principles and Clinical Applications